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Die meisterhafte Architektur des Schweriner Schlosses erleben

28. Juli 2013

Nahe dem Stadtzentrum erhebt sich der eindrucksvolle Gebäudekomplex auf einer Insel des Schweriner Sees. Trotz seiner Größe wirkt er anmutig, fast filigran. Die vielen Türme und Türmchen, Ziergiebel und die prachtvolle Kuppel verleihen dem Schloss eine verspielte Silhouette. Die detailreiche Fassadengestaltung mit Nischen, Säulen und Schmuckelementen fesselt das Auge des Betrachters. Verstärkt wird der Eindruck noch durch die malerische Umgebung. Eingebettet in weite Wasserflächen und großzügige Gärten scheint das Schloss aus einem romantischen Traum zu stammen. Es steht an der Stelle, an der vermutlich die Besiedlung des heutigen Stadtgebietes ihren Anfang nahm. Archäologische Funde legen nahe, dass hier bereits vor 3000 Jahren menschliche Niederlassungen standen. Ganz so weit lässt sich die Geschichte des Schlosses nicht zurückverfolgen. Im 10. Jahrhundert befand sich an seinem jetzigen Standort eine Ringburg, errichtet vom westslawischen Stamm der Obodriten. Die mächtige Reiterstatue an der Frontfassade des Schlosses stellt ihren letzten bedeutenden Herrscher Niklot dar, der 1160 im Kampf gegen deutsche Fürsten getötet wurde. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen wurde die alte Festung zerstört und wenig später von den deutschen Eroberern durch eine neue ersetzt. Wie ihre Vorgängerin diente die Burg in erster Linie der Verteidigung des Landes. Entsprechend robust wurde sie gebaut. Das Aussehen eines Märchenschlosses erhielt das Bauwerk erst durch zahlreiche Umbauarbeiten im Lauf mehrerer Jahrhunderte. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts hatten die Herzöge von Mecklenburg ihren Sitz in Schwerin. Die Präsenz des Fürstenhofes war eine Voraussetzung für die allmähliche Wandlung der Anlage in einen Prachtbau. Die architektonische Gestaltung unterlag nicht mehr vorrangig militärischen Erwägungen. Sie sollte komfortables Wohnen ermöglichen, Macht und Reichtum demonstrieren. Vom 15. bis ins 18. Jahrhundert entfaltete sich auf dem Schlossgelände eine rege Bautätigkeit. 1764 verlegte der damalige Landesherr seine Residenz nach Ludwigslust. Erst 1837 kehrte der herzogliche Hof nach Schwerin zurück. Lange Zeit sich selbst überlassen, war das Schloss in einem beklagenswerten Zustand. Zunächst plante man einen vollständigen Neubau an anderer Stelle, der aber kurz nach Beginn der Arbeiten abgebrochen wurde. Stattdessen wurde die bestehende Bausubstanz einer Radikalkur unterzogen. Große Teile wurden abgerissen oder grundlegend umgebaut. Lediglich vier Häuser aus dem 15. bis 17. Jahrhundert blieben erhalten. Inspiriert von der Architektur der französischen Renaissance entstand bis 1857 das Schweriner Schloss, wie wir es heute kennen. Im 20. Jahrhundert erfuhr das Schloss erneut eine tief greifende Veränderung. Diese betraf nicht nur die bauliche Situation, sondern vor allem die Nutzung. Nach der Zerschlagung des Deutschen Kaiserreichs und Gründung der Weimarer Republik war eine herzogliche Residenz überflüssig. Sie wurde Eigentum des Staates und für Besichtigungen zugänglich. Die Gebäude selbst litten noch unter den schweren Schäden, die ein Brand im Jahr 1913 verursacht hatte und die nur langsam behoben werden konnten. In späteren Jahrzehnten waren hier unter anderem eine Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen und ein polytechnisches Museum untergebracht. Gegenwärtig beherbergt das Schloss wertvolle Kunstsammlungen und den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Bild : © Jürgen Mala  / pixelio.de

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